Östliche Meditation und Christentum

Prof. Johan Malan

Die östliche Meditation gewinnt unter weiten Teilen der Namenschristen im Westen einen immer größeren Einfluss. In vielen christlichen Kirchen, Gemeinden und Gruppierungen wird das Gebet zunehmend durch Meditation ersetzt – was man auch als Kontemplation, Gebet der Sammlung (centering prayer) oder Stillegebet bezeichnet. Meditation wird oft von Yoga-Übungen oder entspannenden Atemübungen begleitet, um eine mentale Verlagerung von der rationalen linken Hirnhälfte zur intuitiven rechten Hirnhälfte zu erreichen.

Das grundlegende Ziel der Meditation ist es - ob es sich um die hinduistische Transzendentale Meditation (TM), die buddhistische, islamische oder „christliche“ Meditation handelt -, einen Zustand der völligen Stille an Leib, Seele und Geist zu erreichen, um Stress abzubauen und die Verbindung mit den tieferen, kreativeren Ebenen des Bewusstseins zu ermöglichen. Rationales Denken wird gezielt unterdrückt oder ausgeschaltet, während der Meditierende sich in die mystischen Sphären begibt, um den Kontakt mit dem tieferen Selbst herzustellen. Nach Naomi Humphrey (Meditation - the inner way - Meditation - der innere Weg) hilft die Meditation, den Menschen von geistlichen und mentalen Bindungen ebenso zu befreien wie von Furcht, indem sie in eine neue Wahrnehmung der Gegenwart vordringen. Das Ergebnis ist eine holistische Lebensweise, in der Geist und Materie eins werden.

Die innere Reise

Meditation richtet sich nach innen. Man sucht nicht den Gott, der sich außerhalb des Menschen befindet, sondern man lernt, die Barriere des menschlichen Denkens zu überwinden, um den Gott tief in sich selbst zu entdecken. Dies ist eine östliche Methode, die das Ziel hat, selbst zu einem Gott zu werden. Der römisch-katholische Priester Adrian B. Smith, der selbst Meditation praktiziert, schreibt in seinem Buch TM – an aid to Christian Growth (TM – eine Hilfe zum christlichen Wachstum), dass er diese östliche Vorstellung von Gott akzeptiert: „Die großen Religionen des Ostens sind mehr darin geübt, den Gott in ihnen zu suchen, den Gott im Universum und in den Tiefen des eigenen Selbst. Dies führt viel einfacher zu einer inneren Form des Gebets – oder Centering Gebet… Die jüdisch-christliche Tradition hält eher nach einem Gott außerhalb von sich selbst Ausschau… TM kann, sofern man ein Bewusstsein der tieferen Ebenen in sich entwickelt, eine größere Verinnerlichung schaffen – eine Erfahrung von Gottes Gegenwart tief in unserem Inneren.“ Er glaubt auch, dass Meditation zu einer größeren Einheit und Harmonie in der Welt führt: „Menschen, die erleuchtet sind, erfahren eine neue Harmonie mit anderen Menschen und mit dem Universum. Sie sind in eine neue Ära harmonischer Beziehungen eingetreten, was eine der Früchte des Königreiches Gottes ist.“

Die tägliche Meditation, normalerweise zweimal für etwa 15 - 20 Minuten in sitzender Position mit geschlossenen Augen, wird von Mantras begleitet, um einen veränderten Bewusstseinszustand zu erfahren. Ein Mantra ist ein kurzer Satz oder ein einzelnes Wort, das immerzu wiederholt wird, bis die rationalen Gedanken zur Ruhe gekommen sind, um einen tieferen, spirituellen Bewusstseinszustand zu erreichen. Das Mantra wird solange wiederholt, bis die eigenen Gedanken verblassen und durch eine mystische Erfahrung ersetzt werden, die inspirierende Eingebungen (Hirnströme) und Gedanken von einer unbekannten Quelle freisetzen.

„Christliche“ Meditation

Auf Meditation trifft man nicht nur in der römisch-katholischen Kirche, sondern auch in vielen protestantischen Kirchen. Dr. Willem Nicol fördert diese Praxis in der Reformierten Kirche Hollands und hat viel zu diesem Thema geschrieben. In einem seiner Bücher (Stem in die stilte, S.8) räumt er ein, dass der Ursprung dieser Praxis im Osten zu finden ist. Er schreibt: „Im Westen hat die buddhistische Meditation eine große Anhängerschaft, vor allem durch den Zen Buddhismus. Gewisse christliche Meditationslehrer wie Thomas Merton bevorzugen diese Art von Meditation, die dem Zen nahe steht, weil sie intensiv nach einer inneren Leere strebt. Yoga wurde in Indien entwickelt und ist eine strikte Methode, sich zu konzentrieren und sich dem inneren Selbst zuzuwenden. Das Ziel besteht darin, den Geist von der Herrschaft des Leibes zu befreien. In Europa praktiziert man Zen und Yoga sogar in protestantischen Kirchen, um Entspannung herbeizuführen. In Südafrika ist TM die bekannteste Form von Meditation. Sie wurde aus dem Yoga entwickelt und im Westen durch Maharishi Mahesh Yogi populär gemacht. Hierbei handelt es sich um eine natürliche Technik, und die Leute, die TM praktizieren, müssen keinem besonderen Glauben angehören.“

„Christliche“ Meditation folgt genau dem gleichen Weg wie alle Formen von Meditation, eine Verlagerung der Hirnaktivitäten von der linken zur rechten Hirnhälfte. Dr. Nicol (ebd., S.73) schreibt: „Wenn Sie ein Anfänger sind, müssen Sie dramatische Maßnahmen ergreifen, um den Intellekt zu unterdrücken.“ Das Ziel ist es, die rationale linke Hirnhälfte ruhigzustellen und die Wahrnehmung der intuitiven rechten Hirnhälfte zu aktivieren. Damit wird eine tiefere Bewusstseinsebene freigelegt, auf der man psychische und übernatürliche Eindrücke empfangen kann. Die Anhänger der östlichen Religionen haben seit Jahrhunderten die mystischen Erfahrungen der rechten Hirnhälfte gefördert, während man sich im Westen hauptsächlich auf das rationale Denken konzentrierte. Meditation ist die wichtigste Methode, um einer Person zu einer transzendenten Erfahrung der unbekannten, inneren Welt zu verhelfen. Dies erfüllt einen doppelten Zweck: die linke Hirnhälfte wird durch Entspannungsübungen in die Stille geführt und das intuitive Bewusstsein der rechten Hirnhälfte wird erfahren. Für alle, die Meditation praktizieren, ganz gleich von welchem Hintergrund, ist diese Erfahrung sehr wichtig, denn ohne sie wäre die Meditationsübung sinnlos.

Dr. Nicol ist noch immer in der Schulung für Meditation in verschiedenen Kirchen tätig. Im September 2004 organisierte die Reformierte Kirche Holland in Eldoraigne eine Konferenz zum Thema „Mystische Spiritualität“. Zu den Sprechern zählten Dr. Nicol, Vr. Strydom von der römisch-katholischen Kirche und Bischof Marcos von der Orthodox-Koptischen Kirche in Ägypten. Das Hauptthema war Meditation.

Gute und böse Gedanken

In allen Meditationsrichtungen wird gelehrt, dass die Gedanken, die aus den tiefen, intuitiven Bewusstseinsebenen der rechten Hirnhälfte aufsteigen, gut oder schlecht sein können. Dr. Nicol (ebd., S.97) schreibt: „Wenn man auf Gedanken wartet, können Ihre Gedanken, ihr eigenes Unterbewusstsein oder sogar böse Kräfte zu Ihnen sprechen.“ Damit gibt er offen zu, dass Meditation das Potential hat, einen Kommunikationskanal für dämonische Mächte zu öffnen.

Der New Age Autor Dick Sutphen (Finding your answers within – Die Antworten im Inneren finden, S.45-47) spricht von guten und bösen Geistern, die eine Person während der Meditation beeinflussen können. Die humanistische Psychologin und Mystikerin Marilee Zdenek (The right-brain experience – Die Erfahrung der rechten Hirnhälfte, S.20) sagt, dass die Menschen in ihrem intuitiven Bewusstsein von Göttinnen des Glücks geführt oder von Drachen bedrängt werden. Sie warnte vor Letzterem, aber sie empfiehlt Ersteres wärmstens. Für Christen jedoch sind beide Arten von spirituellen Wesen nicht akzeptabel. Eine Göttin des Glücks oder ein Geistführer ist nichts weiter als ein Dämon, der sich als Bote Gottes verstellt (2Kor 11,14).

Mystizismus und religiöse Einheit

Es wird immer offenkundiger, dass der Mystizismus eines der wichtigsten Mittel ist, um die verschiedenen Religionen in eine größere Einheit zu führen. Meditation ist das weite Tor, um in die mystische Welt einzutreten. Zunächst verlagert man die Aktivität der rationalen linken Hirnhälfte auf die intuitive rechte Hirnhälfte, um daraufhin einer Person zu ermöglichen, mehrere Stufen von Bewusstseinsebenen zu durchlaufen, bis ein kosmisches Bewusstsein erfahren wird. Auf dieser Ebene erfährt man, dass alle Religionen den gleichen Gott anbeten, der als die universelle Quelle der Weisheit gilt.

Dr. Celia Kourie, eine römisch-katholische Theologin der Universität von Südafrika, ist eine weitere entschiedene Befürworterin des Mystizismus. Sie sagt: „Der Mystizismus ist eine weitreichende Erfahrung, die in allen Religionen vorhanden ist. Die Mystik wurde vernachlässigt, weil die reformierten Kirchen zu trocken geworden waren.“ Sie glaubt, dass alle Religionen mystische Erfahrungen der Einheit mit Gott anbieten und dass der Geist Gottes in allen Religionen wirkt.

Zentrum für christliche Spiritualität

Im Jahre 1987 gründete die Anglikanische Kirche von Südafrika das Zentrum für christliche Spiritualität in Kapstadt, um Gott durch Meditation und Kontemplation in einer neuen Weise zu erfahren. Das Zentrum bietet eine Reihe von Kursen und Rüstzeiten (Einkehrtage der Stille und Meditation) an, unter anderem zum Thema „Die innere Reise“. Dabei handelt es sich um eine Reise in die mystische Einheit mit Gott. Francis Cull, der Gründer des Zentrums, war ein anglikanischer Priester und der spirituelle Mentor von Erzbischof Tutu.

Dr. Carel Anthonissen, Pastor der Reformierten Kirche Hollands in der Student Congregation in Stellenbosch, wurde kürzlich der erste Afrikaans-sprechende Direktor des Zentrums (siehe den Artikel: Silence the mother tongue of God. In: Die Burger, 12.3.2005). Anthonissen sagt: „Retreats (Zeiten des Rückzugs in die Stille und Meditation) sind in der Reformierten Kirche Hollands nicht sehr verbreitet, aber in der katholischen und anglikanischen Kirche ist diese Praxis ein fester Bestandteil des christlichen Lebens… In unserem Zentrum fördern wir diese mystische Tradition des Christentums.“

Dennoch räumt Dr. Anthonissen ein, dass mystische Erfahrungen nicht unbedingt etwas mit dem (christlichen) Glauben oder anderen Offenbarungen von Gott zu tun haben müssen. Er sagt: „Die kontemplative Tradition beinhaltet die Vorstellung, dass Gott eine dunkle und geheimnisvolle Eigenschaft hat – der Glaube kann nicht alles erklären. Es gibt Eigenschaften von Gott, für die man keine Worte findet, du gehst von deiner Dunkelheit in die Dunkelheit Gottes.“ Über die Kommunikation mit Gott sagt er: „Stille ist eigentlich die Muttersprache Gottes. Sie ist der Ort, wo Gott dir näher kommen kann, und du kannst Ihn intensiver erfahren.“

In einem Rundbrief von diesem Zentrum wird ein Kurs über die Meditation der Benediktiner (eine katholische Praxis) empfohlen. Im kommenden Jahr werden unter anderem morgendliche Kontemplation, Tage der Stille, Reisen ins Innere und meditative Wanderungen angeboten. Mitglieder verschiedener Denominationen, einschließlich der Townships, besuchen die Veranstaltungen des Zentrums. Die Aufgabe von Dr. Anthonissen wird es sein, diese Aktivitäten des Zentrums in die Kirchen der Afrikaans einzuführen. Sein erster Kurs wurde in der Reformierten Kirche Hollands in Sonstraal, Durbanville, angeboten.

Weltweiter Kompromiss mit dem Osten

Die Aktivitäten des Zentrums für Christliche Spiritualität in Kapstadt sind nur die Spitze des Eisbergs; sie sind ein Teil des weltweiten Prozesses der religiösen Kompromisse mit östlicher Spiritualität, die derzeit in den „christlichen“ Kirchen zu beobachten sind. Im Vorwort von Ray Yungens Buch A Time of Departing (Zeit des Abirrens) schreibt Ron Comer: „Indem man die mystischen Methoden der östlichen Religionen wie die Wiederholung von Worten (Mantras) und die Passivität des Verstandes praktiziert, machen bekennende Christen außerordentliche Erfahrungen mit der geistlichen Welt. In christlichen Kreisen sind diese Methoden bekannt als: die Stille, Atemgebet, Gebet der Sammlung oder kontemplatives Gebet. Durch diese mystischen Gebetspraktiken wendet sich die christliche Gemeinde von heute in einer subtilen Weise vom Evangelium ab… Wie zwei Flüsse zusammenfließen, so vereinen sich die östlichen mit den westlichen Religionen und gewinnen an Dynamik in Richtung einer einheitlichen Weltreligion, in der alle Wege zu Gott führen.“

Ray Yungen geht in seinem Buch näher auf diese Entwicklung ein: „In den vielen Jahren meiner Recherchen traf ich immer wieder auf den Ausdruck kontemplatives Gebet. Stets war ich der Ansicht, dass dies nichts mit dem New Age zu tun haben konnte, weil ich glaubte, dass es bedeutete, dass jemand während des Gebets über etwas nachdachte – an das jedenfalls denkt man, wenn man diesen Begriff hört. Aber auf dem Gebiet des New Age sind die Dinge nicht immer das, was sie dem unbedachten Zuhörer vermitteln. Was das kontemplative Gebet tatsächlich beinhaltet, wird sehr deutlich von William Johnston in seinem Buch Letters to contemplatives (Briefe über Kontemplation) beschrieben: ‚Wenn man in die tieferen Schichten des kontemplativen Gebets vordringt, macht man früher oder später die Erfahrungen des Nichts, der Leere, einer tiefen mystischen Stille, einer Abwesenheit von Gedanken.‘ Zu meinem Erstaunen erkannte ich, dass diese mystische Stille durch die gleichen Methoden erreicht wird, wie sie von den Anhängern der New Age Bewegung angewendet werden, um in die Stille einzugehen: das Mantra und der Atem! Kontemplatives Gebet besteht in der Wiederholung dessen, was man ein Gebetswort oder ein heiliges Wort nennt, bis man mit den seelischen Gefühlen, aber ohne den Verstand einzusetzen, einen Zustand der Kontemplation Gottes erreicht… Kontemplatives Gebet mag sehr außergewöhnlich und interessant klingen, aber es steht nicht auf biblischem Grund… Alle, die diese Methode anwenden, versetzen sich ohne die Zustimmung Gottes in einen Trancezustand. Ein derartiges Vorgehen ist extrem gefährlich. Nirgends in der Heiligen Schrift findet man das Gebot einer solchen mystischen Praxis… Nirgends in der Bibel gilt die Stille als die Kraft Gottes, aber gewiss ist der Glaube an die Botschaft des Kreuzes Gottes Kraft! (1Kor 1,18)“

Die römisch-katholische Kirche befürwortet offiziell das kontemplative Gebet. Ray Yungen schreibt: „Der neue Katechismus [der katholischen Kirche] sagt ausdrücklich: Kontemplatives Gebet bedeutet, Gottes Wort zu hören… kontemplatives Gebet ist Stille.“ Die Mitglieder der Kirche müssen folglich nicht die Bibel studieren, um den Willen Gottes zu erfahren, da sie sich auf mystische Erfahrungen stützen können, die sich während einer meditativen Trance einstellen. Auf diese Weise verblendet der Gott dieser Welt (Satan) das Denken der Menschen, indem er sie in die Stille führt, „so dass ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist“ (2Kor 4,4). Eine Person, deren Denken passiv und folglich durch den Teufel verblendet wurde, verfügt nicht mehr über erleuchtete Augen des Herzens (Eph 1,18) und setzt folglich ihren gesunden Menschenverstand nicht mehr ein, um Gottes Willen durch das Lesen oder Hören des Wortes Gottes zu erfahren. Der Verstand und die Bibel wird in diesem Lernprozess ausgeklammert, und mithilfe von Meditation wird der Kontakt zu einem dunklen und unbekannten Gott hergestellt, der die Person durch psychische Hirnströme unterweist.

Wer Meditation praktiziert, erlebt oft intensive mystische Erfahrungen und sieht sogar Lichter, die auf ihn zukommen. Ray Yungen sagt Folgendes über den katholischen Priester Philip St. Romain: „Nachdem er das Gebet mit dem Verstand als unproduktiv verworfen hatte, praktizierte er eine Gebetsform, die den Verstand ausschaltet, was er als mentale Passivität bezeichnete. Was er daraufhin erlebte, unterstreicht meine Befürchtung mit einer ernüchternden Klarheit: ‚Dann kamen die Lichter! Die goldenen Wirbel, die ich gelegentlich gesehen hatte, intensivierten sich und schufen Muster, die mich faszinierten und zugleich in den Bann zogen. Es waren immer vier oder fünf dieser Wirbel; wenn einer verschwand, tauchte ein neuer auf, noch heller und noch intensiver. Sie entstanden nur in einer vollständigen Passivität und nachdem ich einige Zeit in der Stille verbrachte.‘ Danach erlebte St. Romain, wie weise Worte in seinen Sinn kamen. Es kam während dieser Erfahrungen der Stille auch zu physischen Empfindungen. Er fühlte in der Mitte seines Kopfes ein Prickeln… Er beschreibt dies so: ‚Ich kann keine Entscheidungen mehr selbst treffen ohne die Zustimmung meines inneren Ratgebers, dessen Stimme in Zeiten der Not deutlich redete. Man hat das Empfinden, es gäbe ein inneres Auge, das ähnlich wie meine eigenen Augen sehen konnte.‘ Ist dieser innere Ratgeber, mit dem sich St. Romain verbunden hat, wirklich Gott?... Diese Methode wird bereits auf breiter Ebene in der römisch-katholischen und den protestantischen Kirchen praktiziert.“

Es ist ebenfalls erwiesen, dass die Leute, die mystische Erfahrungen machen, ein pantheistisches Gottesbild entwickeln. Das ist nicht der Glaube an einen persönlichen Gott im Himmel, sondern an einen unpersönlichen Gott, der überall und in allen Dingen existiert. Der pantheistische Glaube lehrt, dass in jeder Person ein göttlicher Funke existiert, und dieser „Gott in uns“ muss entdeckt und durch die Meditation freigesetzt werden. Yungen schreibt: „Eine Umfrage in den USA ergab kürzlich, dass 84 % der Befragten glauben, dass Gott überall und in allen Dingen ist, statt eine Person an einem Ort. Das bedeutet, dass Pantheismus heute das populärste Gottesbild ist. Wenn dies wahr ist, dann vertritt ein hoher Prozentsatz evangelikaler Christen in den USA ein pantheistisches Gottesbild, und ohne sich darüber bewusst zu sein, entehren sie die wahre Quelle ihres Heils.“

Christliche Bewertung

Die wichtige Frage, auf die man eine Antwort finden muss, ist, ob Meditation oder Kontemplation (Stille, mystische Gedanken über Gott) aus biblischer Sicht als eine legitime Gebetsform betrachtet werden kann. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem biblischen Gebet und östlicher Meditation, und welche Bedeutung hat das Wort Meditation aus der Sicht der Bibel?

Biblische Gebete sind geistliche Gedanken, Wünsche und Bitten, die in klare Worte gegossen werden. Der rationale Verstand des Beters muss nicht passiv sein, da wahres Gebet einen nüchternen und aktiven Bewusstseinszustand erforderlich macht, in dem bedacht gewählte Worte an Gott gerichtet werden. Dies nimmt nicht die Form von sinnlosen Wiederholungen von Worten (Mantras) oder von mystischen Gedanken an, die der Bibel fremd sind. Der Herr Jesus sagt: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden“ (Mt 6,7).

Gebet ist ein Akt des Glaubens (Jak 1,6; Hebr 11,6). Es ist nicht ein Akt des Glaubens, wenn man unfähig ist, alles erklären zu können und sich folglich auf mystische Offenbarungen Gottes verlassen muss, wie Dr. Anthonissen es sagt. Der Glaube kommt aus dem Hören des Wortes Gottes (Rö 10,17). Wenn wir Gottes Wort hören oder lesen, macht uns der Heilige Geist fähig, die Verheißungen der Bibel im Glauben anzunehmen. Das Wort mit unserem Verstand aufzunehmen, setzt voraus, dass wir über einen gesunden und nüchternen Verstand verfügen. Dann können wir auf diese Informationen geistlich reagieren, indem wir mit unserem Gebet zu Gott kommen und seine Verheißungen im Glauben annehmen.

Nachsinnen über das Wort. Die Bibel setzt Gebet nicht mit mystischer Meditation gleich; im Gegenteil, Nachsinnen ist das nüchterne und bewusste Nachdenken über Gottes Wort (Ps 1,2). Stille Zeiten des Nachsinnens sind demnach nicht Gebete ohne Worte, sondern das Nachsinnen über Gottes Wort. Es ist eine Interaktion zwischen dem Verstand und dem Glauben eines Christen, indem er die Schrift aufmerksam untersucht, erforscht und erwägt. Es ist definitiv keine Handlung, bei der ich meinen Verstand ausschalte und an nichts mehr denke. Bevor ich über das Wort nachsinnen kann, muss ich mich zuerst darüber informieren, indem ich es lese und es mir bewusst ist, dass der Heilige Geist mir hilft, das Gelesene zu verstehen: „Öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz“ (Ps 119,18).

Die Erkenntnis dieser Wahrheiten führt uns nicht in mystische Meditationen, sondern in den Lobpreis und in Danksagung (Ps 119,62). Die Verheißungen müssen auswendig gelernt und geglaubt  werden (Ps 119,93). Sie sollen eine solche Quelle geistlichen Segens sein, dass ich Tag und Nacht darüber nachsinne (Ps 119,97; 148; 1,2). Auf diese Weise werde ich die Gegenwart des Herrn erfahren und von Ihm durch den Heiligen Geist unterwiesen (Ps 119,135; Joh 16,13-14). In einer solchen geistlichen Erfahrung spielt das Bibelstudium, das Nachsinnen über das Wort, das Gebet und der Glaube an den Herrn Jesus, der diese Verheißungen erfüllt (1Kor 1,20), eine entscheidende Rolle. Die Stille ist nicht Gottes Muttersprache, da Gott sich mit Worten an uns wendet: „Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben“ (Joh 6,63). Gott ist weit erhoben über alle menschlichen Wesen, aber durch Sein Wort und Seinen Geist spricht er zu unseren Herzen. Östliche Meditation, die sich als „christliche Meditation“ ausgibt, ist eine Reise ins Innere des Menschen, indem dieser sich all seiner Gedanken entleert und Gott sucht, ohne Worte zu gebrauchen, was letztlich bedeutet, dass er Gottes Wort ablehnt. Das ist heidnische Praxis, die man auf jeden Fall von sich weisen sollte.

Die Herrlichkeit Gottes. Wenn wir uns dem Vater durch Jesus Christus im Gebet nähern, offenbart er sich uns in seiner Herrlichkeit. Im Herrn Jesus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol 2,9). Obgleich Gott unergründbar ist, gibt es keine dunkle oder geheimnisvolle Seite an Ihm, wie manche Leute es in der Meditation erfahren. In ihnen steigen sogar böse Gedanken auf, wenn sie sich leer machen und über nichts mehr nachdenken, was ein klarer Beweis dafür ist, dass durch östliche Meditation eine Tür für dämonische Mächte geöffnet wird. Die Dämonen verstellen sich als ein Engel des Lichts, aber die Person, die meditiert, verfügt über kein Unterscheidungsvermögen mehr, wenn sie sich in einem veränderten Bewusstseinszustand befindet. Ihr rationaler Verstand wird ausgeschalten, wodurch analytisches Denken nicht mehr möglich ist; Gedanken im Licht der Schrift und unter Leitung des Heiligen Geistes zu prüfen, ist dieser Person völlig unmöglich. Sie hat sich selbst Eingebungen und Eindrücken ausgesetzt, die katastrophale Konsequenzen für ihr geistliches Leben haben können, denn Meditation führt gewöhnlich zu einer blinden Liebe für alle Menschen aller religiösen Überzeugungen.

Interreligiöse, ökumenische Verbindungen werden in einer solchen Atmosphäre gefördert, was letztlich in einer Ablehnung Jesu Christi als einzigen Erretter der Menschheit mündet. So verherrlichen sich die Menschen am Ende selbst.

Meditation ist eine antichristliche Form der Selbsterlösung

Während der Meditation erreicht eine Person tiefere Bewusstseinszustände, wo sie psychische Kräfte und geistliche Gaben freisetzt, um sich zu heilen und ihre Probleme zu lösen. Der Mensch begegnet dem „Gott in ihm“, der fälschlicherweise als der Gott der Bibel betrachtet wird. Es ist dieser „Gott“, der dunkel und geheimnisvoll ist, und der Eindrücke des Bösen im Unterbewusstsein der Person hinterlässt. Dieser „Gott“ ist der Teufel, der durch die gefallene Natur des Menschen wirkt und sich als Gott ausgibt. Selbst wenn sich dieser „Gott“ in dir als Jesus ausgibt, handelt es sich um einen „anderen Jesus“  (2Kor 11,4), der sich in einer mystischen Weise offenbart. Er mag sich selbst als der kosmische Jesus aller Religionen offenbaren und allen ökumenisch Gesinnten seinen Segen anbieten.

Meditation fördert die Einheit unter allen Menschen und Religionen. Eine vereinte, kosmische Sichtweise der Menschheit ist unbiblisch. Der Herr hat Grenzen zwischen den Nationen gezogen (Apg 17,26) und erwartet von uns, dass wir ein heiliges Leben führen, indem wir uns von allen anderen Religionen trennen (2Kor 6,14-18). Wenn wir die von Gott gesetzten Grenzen der Völker abschaffen, um eine neue Weltordnung zu schaffen, und wenn wir ökumenische Beziehungen zu allen Kirchen und Religionen unterhalten, schmieden wir eine menschliche Form von Einheit. Das kann nur zu Chaos führen und zu einem anhaltenden Zerfall des evangelikalen Christentums. Dieser Welt gleich zu sein, sollte man widerstehen (Gal 1,4). Die Welt verhält sich evangelikalen Christen gegenüber feindlich (Joh 15,9), denn die Welt und ihre Institutionen stehen unter der Herrschaft des Teufels (1Joh 5,19). Kein Wunder, dass die unerrettete Welt und alle ihre Religionen über Formen des Gebets und der Religionsausübung verfügen, die dem wahren Christentum widersprechen.

Lasst uns alle mystischen Praktiken und Bestrebungen verwerfen. Lasst uns Gott durch den Heiligen Geist im Namen Jesu Christi anbeten, während wir heilig vor Ihm wandeln (1Joh 3,22), lasst uns unsere Lenden mit nüchternen Gedanken umgürten (1Petr 1,13), lasst uns in allem, was wir tun und denken, vor Gott verantwortlich sein (Rö 14,12; Mt 12,36), und lasst uns Gebete sprechen, die in Übereinstimmung mit seinem heiligen Willen sind (1Joh 5,14).

Zeugnis eines ehemaligen New Agers

Brian Flynn, Direktor von One Truth Ministries in Minneapolis, erläutert: „Vor elf Jahren ließ ich das Leben als New Age Medium hinter mir und gab mein Herz Jesus Christus. Als Medium empfing ich okkulte Botschaften, und durch meditative Praktiken nahm ich Kontakt zu einem Geistführer auf. In jener Zeit wusste ich nicht, dass es sich bei den Geistführern um Dämonen handelte. Jetzt, da ich Christ bin, muss ich nicht länger durch meditative Gesänge einen veränderten Bewusstseinszustand anstreben oder Rituale vollziehen, um den Frieden und die Wahrheit zu suchen, die ich in meinem Herrn und im Wort Gottes gefunden habe.

Vor drei Jahren las ich ein Buch mit dem Titel A Time of Departing, in dem es heißt, dass viele christliche Leiter die Methode der Mantra-Meditation lehren. Sie können sich vorstellen, wie schockiert ich war, als ich erfuhr, dass das New Age durch solche Methoden unter dem Namen kontemplatives Gebet in das Christentum eindringt. Diese Methode beinhaltet die ständige Wiederholung eines Wortes oder eines Satzes, bis man in die Stille eingegangen ist. Manchmal konzentriert man sich auf den Atem, statt auf Worte oder einen Satz, daher der Name Atemgebet. Das Ziel davon? Es geht darum, einen veränderten

Bewusstseinszustand zu erreichen, um mit Gott zu kommunizieren.

Über Gottes Wort nachzusinnen ist eine gute Sache. Aber das kontemplative Gebet, von dem ich spreche, ist es nicht. Es wurde vor Jahrhunderten von Mönchen praktiziert und ging schließlich verloren. Erst in den 1960er Jahren erlebte es eine Neubelebung durch katholische Mönche wie Thomas Keating und Thomas Merton, die entschlossen waren, diese Methode in das Christentum einzuführen. Richard Foster, Befürworter des kontemplativen Gebets, spricht in seinem Buch Prayer: Finding the Heart’s true Home (Gebet: Das wahre Zuhause des Herzens finden) eine seltsame Warnung über diese Methode aus: ‚Ich will dir auch ein Wort der Warnung mitgeben. In der stillen Kontemplation über Gott begeben wir uns tief in die geistliche Welt, und dort finden wir so etwas wie übernatürliche Führung… Obgleich die Bibel wenig über diesen Bereich aussagt, gibt es dort geistliche Wesen, und einige von ihnen arbeiten definitiv nicht mit Gott und seinen Wegen zusammen!... Aber nun will ich dich lehren, wie du Gebete für deinen Schutz praktizierst.‘

Warum sollte man dies überhaupt praktizieren, Herr Foster? Warum sollte mich Gott in eine Situation versetzen, in der ich mich selber verteidigen muss in diesem unbekannten geistlichen Bereich, in dem ich von geistlichen Wesen umgeben bin, die sich Gott und seinen Wegen nicht unterordnen? Gott würde so etwas niemals tun.

Die Achillesferse von Herrn Foster ist, dass es in der Schrift keinen Hinweis auf kontemplatives Gebet gibt, außer der einen Warnung: ‚Und  wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, denn sie meinen, dass sie um ihrer vielen Worte willen erhört werden. Darum seid nicht wie sie. Denn euer Vater, der im Himmel ist, weiß, was ihr bedürft, ehe ihr ihn bittet‘ (Mt 6,7-8).

Was würden die Märtyrer des Glaubens sagen, die sich vom Islam, Hinduismus oder Buddhismus zum Christentum bekehrt haben, wenn sie ihre Stimme zu der Vermischung des Christentums mit mystischen Praktiken des Ostens erheben könnten? Als ehemaliges New Age Medium kenne ich den Unterschied zwischen den meditativen Praktiken des Ostens und dem christlichen Gebet der Bibel. Traurigerweise ist dies bei vielen Christen nicht der Fall.“

Warum sollten sich Gläubige abkehren zu den mystischen Praktiken einer dunklen Zeit, wenn sie Gott in einer wachen, nüchternen und biblischen Weise anbeten können, während sie Sein Wort in ihren Herzen bewahren und ehren, damit sie nicht gegen Ihn sündigen? (Ps 119,11)

http://www.bibleguidance.co.za/Germanarticles/02%20MeditationGerman.htm